Back to Black

„Erst in der absoluten Stille des tiefsten Schwarz wird das Licht so intensiv sichtbar, wie mein Herz es fühlt.“

Eine Erkundung von Tiefe, Lichtabsorption und Struktur durch monochrome schwarze Ölgemälde.

Artist Statement

Biggi Wolfersberger

Früher sprach die Welt durch das Material zu mir. Ich ließ mich nach dem inneren Themenimpuls oft leiten von Texturen, Formen und dem Sichtbaren im Außen. Doch dann kam die Stille. Ein tiefer, lähmender Schaffensburnout brachte meine innere Stimme zum Verstummen. Es war eine Zeit des absoluten Halts, in der nichts mehr ging – bis dieser Stillstand zu einer radikalen Transformation führte. Als meine Stimme schließlich zurückkehrte, suchte ich nicht mehr nach äußeren Formen oder starren Materialien. Sie brach mit unbändiger Kraft direkt aus meinem Innersten hervor.

Heute ist meine Kunst minimalistisch, roh und von einer nackten, emotionalen Authentizität. Mein neuer Body of Work hat sich vom Ballast des Vergangenen befreit und manifestiert sich in tiefen, schwarzen Bildern. Dieser emotionale Befreiungsprozess spiegelt sich direkt im physischen Umgang mit der Leinwand wider: Es ist ein rhythmisches Wechselspiel zwischen einem eher pastosen Farbauftrag und stark verdünnten, fast transparenten Schichten der Ölfarbe. Im nächsten, radikalen Schritt folgt das aktive Entfernen der Farbe. Durch das Wegnehmen, Kratzen und Wischen schäle ich das Wesentliche heraus. Es ist ein Akt des Loslassens – der Versuch, im Außen sichtbar zu machen, was sich im Innen lösen durfte. Darauf setze ich nur noch ganz minimalistische Farbakzente – so flüchtig, dass der Betrachter kaum weiß, ob dort wirklich Farbe liegt, ob es eine bloße Reflexion des Raumes ist oder nur die eigene Vorstellung eines Farbtons. Dieses Schwarz ist für mich kein Ort der Dunkelheit oder des Verlusts. Es ist das tiefste, ehrlichste Innere meiner Seele – das Vakuum, in dem ich nach dem Verstummen meine wahre Essenz wiederfand. Meine Arbeiten öffnen ein Fenster zu der spezifischen Perspektive, mit der ich als Mensch aus dem weiten Meer der Neurodivergenz die Welt sehe und verarbeite: eine Existenz ohne Filter, geprägt von einer resonanzstarken Detailwahrnehmung und einer tiefen, emotionalen Verbundenheit mit mir und meiner Umgebung. Das Schwarz auf der Leinwand fungiert hier als ein strukturierender Resonanzraum, der diese ungefilterte Reiz- und Informationsebene sammelt, ihr eine klare Heimat gibt und sie in eine kraftvolle Ruhe übersetzt. Vor allem aber ist dieses tiefe Schwarz der ultimative Verstärker des Lichts. Durch die feinen Strukturen und die freigelegten Schichten des Farbabtrags bricht sich das Licht im Raum auf ganz subtile, lebendige Weise. Erst in dieser absoluten visuellen Reduktion, in den Schatten und kleinsten Graten der dunklen Nuancen, beginnen die Momente der reinen Hoffnung so intensiv zu strahlen, wie nur ein hochsensibles System sie in ihrer ganzen Fülle registrieren kann. Ich öffne meine Seelenlandschaften als einen Raum der bedingungslosen Begegnung – eine Einladung, gemeinsam innezuhalten, den eigenen Atem in der Stille zu spüren und zu fühlen: In deiner tiefsten, einsamsten Dunkelheit bist du nicht allein; genau hier, im Verborgenen, wartet das Licht darauf, von uns berührt zu werden.

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